Dienstag, 25. August 2015

Rezension: Liebten wir von Nina Blazon

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© Ullstein Buchverlage
Augen können sich täuschen, doch Kameras lügen nicht. - Seite 21

Inhaltsangabe:
Mo ist Fotografin mit dem ganz besonderen Blick. Sie fotografiert das, was unter der Oberfläche steckt. Die Zwischentöne und kleinen Gesten. Nur die eigenen Zwischentöne machen ihr Probleme. Sie hofft, dass ihr neuer Freund Leon ihr helfen kann, endlich Teil einer glücklichen Familie zu werden. Als sie seine Familie zum ersten Mal trifft, kommt es allerdings zum Eklat. Und plötzlich ist Mo auf der Flucht - vor Leon, vor der Vergangenheit, vor allem aber vor sich selbst.
Doch sie ist dabei nicht allein. Nicht ganz freiwillig nimmt sie Aino mit, Leons Großmutter. Anfangs ist Mo genervt von der Gesellschaft. Dann dirigiert die kauzige Alte sie auch noch Richtung Norden und verlangt von ihr die Fähre nach Finnland zu nehmen. Was soll Mo in diesem eigenartigen Land, von dessen Sprache sie kein einziges Wort versteht? Erst auf dem Meer gelingt es Mo langsam, sich auf das ihr so fremde Land einzulassen. Sie entdeckt die Schönheit und Melancholie des finnischen Tangos, der ihr beibringt, loszulassen und sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Auch Aino öffnet sich ihr allmählich. Beide Frauen erkennen: Manchmal muss man auf eine Reise gehen, um anzukommen.

Lügner verraten sich nie durch Worte, immer durch Handlungen. Eine fahrige Hand, zu betontes Nicken, nervöse Augen. - Seite 41

Meine persönliche Meinung:
Ich habe schon sehr viele Bücher von Nina Blazon gelesen und fand so ziemlich alle ganz großartig. Für mich war somit sofort klar, dass ich auch ihr neues Werk lesen muss und es keinstenfalls in meinem Regal fehlen darf. Bisher kenne ich nur Kinder- und Jugendbücher der Autorin. Liebten wir ist ein wundervoller Roman für Erwachsene.

Ich gebe dir einen Rat, Moira. Egal, wie du das anstellst, werde niemals jemand, der dankbar sein muss. Jedes Danke ist eine Schraube für deinen Sargdeckel, unter dem du schon liegst. Das Problem ist, du atmest noch. Hilflos zu sein heißt langsam zu ersticken. - Seite 137

In dieser Geschichte prallen zwei Welten aufeinander. Mo verlor sehr früh ihre Mutter. Über diesen Verlust kam sie bis heute nicht richtig hinweg. Ainos Vergangenheit prägt der zweite Weltkrieg, den sie damals in Finnland verbracht hat. Zwei Menschen, die sich kennenlernen und schon bald gemeinsam auf der Flucht sind. Auf der Flucht vor einer chaotischen und streitsüchtigen Familie, vor der Gegenwart und der Vergangenheit. Auf der Suche nach verlorenen Menschen und nach dem wirklichen Sinn des Lebens.

Manchmal entscheiden Sekunden. Du weißt, wenn jemand vor dir steht, den du niemals lieben willst und von dem du weißt, dass er dich niemals kennen wird. - Seite 282

Ein Protagoninist, der mir anfangs alles andere als sympathisch war. Aino ist eine griesgrämige alte Frau, die schlimmer nicht sein könnte. Sie ist trotzig, stets am meckern und schimpfen und dirigiert alle Familienmitglieder um sich umher, als wären sie ihre Dienstboten. Im Laufe der Geschichte lernt man Aino jedoch besser kennen und man erkennt schon bald, dass diese alte Dame zwar eine harte Schale hat, aber auch einen sehr weichen Kern.

An Enttäuschungen nagt man am besten ohne Publikum. - Seite 309

Mo hat es mit der Familie ihres neuen Lebenspartners absolut nicht einfach. Das erste Treffen verlief alles andere als gut. Schon nach diesem Treffen ist sie bereits auf der Flucht und hat noch dazu die Großmutter entführt. Ihre Schwester schmeisst sich an ihren Freund ran und wird von dessen Familie lieber gemocht als sie selbst. Da kann man wohl nicht anders, als einfach nur zu fliehen.

Anderseits weiß ich sehr wohl, wie leicht man sich täuschen kann, wenn man fest entschlossen ist, etwas Bestimmtes zu sehen. Ähnlichkeiten kann man immer finden. Vorausgesetzt, man will es verzweifelt genug. - Seite 309

Mo und Aino befinden sich auf einer gemeinsamen Reise, die sehr chaotisch beginnt, aber auch ein gutes Ende hat. Die beiden werden schon bald gute Freundinnen und vertrauen sich ihre Vergangenheit und all ihre Probleme an. Eine Reise, die Geheimnisse aufdeckt und den Leser stets auf eine spannende und turbulente Geschichte mitnimmt.

Denkst du, Mörder können keine guten Menschen sein? Verlieben sie sich nicht? Nein, wenn ich in dieser Zeit eines gelernt habe, dann das: Die Welt ist voller Mörder. Sie leben mitten unter uns, jederzeit. Und jeder Mensch kann zu allem fähig sein. Absolut jeder. - Seite 336

Hin und wieder gab es ein paar zähe Momente, die trotz allem jedoch nie langweilig wurden. Ein Ende, dass absolut nicht vorhersehbar war. Eine nachdenkliche Geschichte voller Überraschungen und jede Frage die sich während dem Lesen im Kopf zusammenbraut, wird definitiv bis zum Ende hin beantwortet. Wer Nina Blazon's Bücher mag, sollte auch zu diesem wieder greifen.

Aber Gewissheiten sind flüchtig, sie lassen sich nicht festhalten, sosehr man auch die Finger darum krampft. - Seite 404

Denn es ist eine Sache, nicht an Familien zu glauben, aber eine ganz andere, sie zu verlieren. - Seite 501


  • Taschenbuch: 560 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch (26. Juni 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548285775
  • ISBN-13: 978-3548285771
  • Preis: 9,99€ (D) -  10,30€ (A) 

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