Montag, 14. März 2022

Buchzitate im März

 Alle 3 Bücher habe ich sehr gerne gelesen. Grandiose Geschichten, mit ganz tollen Zitaten!

 

Von hier bis zum Anfang von Chris Whitaker 
Seite 70 // "Freiheit", sagte sie. "Ist Freiheit das, was am schwersten auszuhalten ist? Schlimmer als alles andere. Vielleicht ist das so."

Seite 144 // "Über Schuld oder Unschuld wird lange vor einer Tat entschieden. Das begreifen die Menschen bloß nicht. Sie denken, sie haben eine Wahl. Sie blicken zurück, spielen alles noch mal durch, verstellen die Weichen, aber das funktioniert so nicht."

Seite 173 // "Hoffnung ist weltlich. Und das Leben zerbrechlich. Und manchmal halten wir zu sehr daran fest, obwohl wir wissen, dass es in die Brüche gehen wird."

Seite 388 // "Manchmal wunderte er sich darüber, was Menschen auf sich nahmen, um diejenigen zu beschützen, die sie liebten."

Seite 393 // "Als Duchess wieder ging, war sie gebrochen. Aber es war ihre Aufgabe, sie zu ermahnen, ihnen zu zeigen, dass die Welt keine gute war."

(Bild- und Zitatrechte: Piper Verlag. Aus dem Englischen von Conny Lösch.)


Das Glashotel von Emily St. John Mandel 
Seite 31 // "Aber muss ein Mensch denn entweder bewundernswert oder furchtbar sein? Ist das Leben wirklich immer so binär? Manchmal, sagte er sich, kann doch auch zweierlei zugleich wahr sein. Dass man den vermeintlichen Tod der Stiefmutter als Vorwand nutzte, um neu anzufangen, hieß nicht, dass man damit nicht auch etwas Gutes tat und für die Schwester da war oder so."

Seite 68 // "In jedem beliebigen Augenblick fahren Zehntausende Schiffe übers Meer, und Leon gefiel es, sich jedes Schiff als einen Lichtpunkt vorzustellen, Punkte, die sich zu über den nächtlichen Ozean ziehenden, elektrischen Leuchtströmen zusammenfanden, die sich durch schmale Kanäle drängten, den Suezkanal, den Panamakanal oder die Straße von Gibraltar, die Kontinente umrundeten und sich in Meere ergossen, eine unaufhörliche Bewegung, die alle Länder antrieb, diese geheime Welt, die er so liebte." 

Seite 98 // "Sie spürte, dass sie nach rationalen Maßstäben ein außergewöhnliches Leben führte, nur war sie sich nicht sicher, was eigentlich ihr Ziel gewesen war. Später stand sie allein auf der Terrasse, filmte das Mittelmeer und dachte: Vielleicht ist das ja genug. Vielleicht muss nicht jeder nach irgendetwas streben. Ich könnte ein Mensch sein, der einfach nur an schöne Orte reist und schöne Dinge besitzt. Vielleicht könnte ich ein Fünf-Minuten-Video von jedem Meer und jedem Ozean aufnehmen, und vielleicht käme diesem Projekt eine gewisse Bedeutung zu, käme einer Art von Vollendung gleich."

Seite 100 // "Musste man wirklich verliebt sein, damit eine Beziehung echt war, was immer das hieß, wenn es doch Respekt gab und so etwas wie Freundschaft?"

Seite 137 // "Mein Bruder war ein Jahrzent älter als ich", sagte er. "Ich habe ihn geliebt, aber wenn man so klein ist, dann gleich ein Jahrzent dem Abstand zwischen Galaxien, weshalb ich nie den Eindruck hatte, ihn wirklich gut gekannt zu haben."

(Bild- und Zitatrechte: Ullstein Buchverlage. Aus dem Englischen von Bernhard Robben.)

 

Ich denk, ich denk zu viel von Nina Kunz 
Seite 15 // "Grüblen, so dachte ich, löst leider nicht nur Probleme, sondern schafft auch welche."

Seite 30-31 // "Am besten am Erwachsensein finde ich, dass man den Kontakt zu Leuten abbrechen kann, die einem nicht guttun. Und das Zweitbeste ist, dass man sich aus lieben Freundinnen und Freunden eine Wahlfamilie zusammenbasteln kann. Daher frage ich mich: Dürfte ich den Kontakt zu meinem Vater abbrechen, wenn ich merke, dass wir uns nicht guttun? Oder müsste ich versuchen, mit ihm klarzukommen, weil wir verwandt sind?"

Seite 35 // "Nun will ich aber gar nicht flexibel bleiben. Im Gegenteil. Ich hätte gerne den Mut, ein Vorhaben richtig durchzuziehen; am besten eines mit kindlichem Pathos. Doch ich habe Angst, mich auf das Falsche festzulegen, also werkle ich lieber in der Mikroperspektive for mich hin. Das Wursteln ist in anderen Worten eine Strategie, um nicht im Weltblick denken zu müssen. Bei dem Gedanken, dass ich bloß eine einzige Chance habe, die Zeit auf Erden richtig zu nutzen, wird mir nämlich angst und bange."

Seite 77 // "Dinge, die wie riesige Fehler scheinen, können im Nachhinein der Tränen unwürdig wirken."

Seite 98 // "Ich bin zwar mit Day einig, dass man aus Fehlern lernen kann und soll, aber die Vorstellung, dass jeder Misserfolg sofort eingebettet werden muss in eine beginnende Erfolgsstory und jedes Scheitern eine wichtige Lektion zu beinhalten hat, die den Weg nach oben befeuert, ist ein Riesenstress. Das Leben ist doch keine geradlinige Fortschrittsbewegung, sondern eher eine Holperfahrt mit Hochs und Tiefs, die man nicht vorhersehen kann. Wäre es daher nicht entlastend, wenn das Scheitern auch mal nur blöd, gemein oder ungelegen sein dürfte?"

Seite 99 // "Vielleicht ist Scheitern in Wahrheit gar keine Chance / sondern viel, viel mehr etwas, etwas wirklich Intimes." 

Seite 168 // "Zudem ist Lesen das Praktischste überhaupt. Es macht Freude, reduziert Stress und trainiert das Gedächtnis. Besonders mag ich übrigens Erzählungen, die vom Alltag handeln. Wenn ich zum Beispiel lese, wie poetisch man eine Küche beschreiben kann, kommt mir meine eigene Küche plötzlich auch ganz magisch vor. Solange ich lese, ergibt mein Leben irgendwie Sinn."

Seite 169-171 // "Der Herbst ist doch das Beste. Es riecht nach Zwetschgenkuchen. Er gibt einem das Gefühl von heißer Ovomaltine im Bauch. Er nimmt Hektik weg. Daher verstehe ich nicht, warum es diese kollektive Sommerobsession gibt. Ich meine: Alle lieben den Sommer. Es gibt geradezu einen Zwang, dem Juni entgegenzufiebern, und wer es nicht tut, gilt als lustfeindlich. Und sicher: Es ist großartig, jeden Tag baden zu gehen und sich von der Sonne bräunen lassen. Aber sonst ist der Sommer viel zu manisch. Alle sind ständig unterwegs, man traut sich kaum, auch mal zu Hause zu bleiben. Dazu kommt dieser Druck, jedes Jahr den besten Sommer deines Lebens zu haben. Es fühl sich an wie ein monatelanger Befehl, immer glücklich und abenteuerlustig zu sein. Das stresst. 

Im Herbst dagegen erwartet niemand etwas von dir. Und niemand erwartet etwas vom Herbst. Ich denke immer: der Unterschied zwischen dem Sommer und dem Herbst ist wie der Unterschied zwischen einer Hochzeit und einer Küchenparty. Bei einer Hochzeit weißt du ein halbes Jahr im Voraus, wann du einen unvergesslichen Abend haben sollst. Also verkrampfen sich alle, und das Fest wird öde. Und bei einer Küchenparty sitzt du müde zu Hause, dann kommen noch spontan zei Freund*innen vorbei und vier Stunden später tanzt du zu What is Love von Haddaway auf dem Küchentisch. Keine Erwartungen zu haben ist so befreiend.

Ich liebe den Herbst. Ich liebe ihn für die bunten Blätter, für die Möglichkeit, ein Leben ohne Schweißausbrüche zu führen, die aufgefüllten Vitamin-D-Speicher im Hirn, die abklingenden Sonnenbrände. Ich liebe den Herbst für die Kleider. Die Cardigans, die roten Socken, die man wieder anziehen kann, die Schichten von Schals, in die man sich hüllen kann, ich liebe die Mützen und die Regenhüte. Ich liebe, dass der Körper wieder verhüllter und mysteriöser daherkommt. Im Sommer ist die Mode ja ganz schlimm. Alle schlurfen in Flip-Flops herum und tragen Hotpants. 

Ich liebe den Herbst für regnerische Sonntage im Museum. Ich liebe die Zeit der Kürbissuppen und der frischen Äpfel. Ich liebe den Herbst, weil er mir ein Gefühl der Geborgenheit gibt. Ich habe den Eindruck, im Herbst ist die Welt weicher und weniger fordernd. Wär der Herbst ein Mensch, wäre er ein guter Freund, der dich in den Arm nimmt, und nicht so ein Drill-Coach wie der Sommer. Es sagen zwar viele, der Herbst mache depressiv, aber in Wahrheit lässt er dich sein, wie du bist. Du brauchst keinen Bikini-Body oder Ausflugsplan fürs Wochenende. Das ist ihm egal. Er will nur wissen, was du für Bücher lesen magst, wenn es draußen wieder stürmt. Ich wünschte, ich könnte immer so unbekümmert sein wie im Herbst."

(Bild- und Zitatquelle: Kein & Aber Verlag)


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