Mittwoch, 21. Oktober 2015

Rezension: Jesus Jackson von James Ryan Daley

© Magellan Verlag
Wenn du glaubst, dass Gott wirklich irgendwo da oben im Himmel sitzt und jeden und alles kontrolliert, dann musst du dich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass er deinen Freund tötet oder deinen Bruder oder deinen Sohn. Du musst dich damit auseinandersetzen, dass er zulässt, dass Säuglinge drogenabhängig werden, dass Kinder missbraucht und getötet werden, dass Völkermorde und Kriege geschehen. Und wenn du nicht an Gott glaubst... tja, dann musst du dich damit auseinandersetzen, dass es für nichts und niemanden einen tieferen Sinn gibt. - Seite 151

Inhaltsangabe:
Er heißt Jesus Jackson und trägt Goldkettchen  und Leinenanzüge. Jonathan trifft Jesus das erste mal auf einem Footballfeld. Ein spiritueller Berater taucht wohl gerade dann auf, wenn man ihn am meisten braucht. Jonathan sucht den Schuldigen für den Tod seines Bruders Ryan. Er glaubt jedoch nicht an Jesus und hätte sich im Traum nie erwartet, Jesus jemals über den Weg zu laufen und schon gar nicht, wenn dieser mit vollem Namen Jesusi Jackson heißt. Jesus bringt Jonathan auf eine Idee: Was, wenn Ryan gar nicht verunglückt ist, wie alle behaupten? Was, wenn er ermordet wurde? Entschlossen macht sich Jonathan auf die Suche nach dem Täter und merk fast zu spät, dass er die Antwort auf seine Fragen nur in sich selbst finden kann.

Meine persönliche Meinung:
Bin ich gläubig? Der Gedanke an Gott und dass ich mit all meinem Kummer und Schmerz nicht alleine bin, hat mir bei der Trennung von meinem damaligen Freund, vor 2 Jahren, und dem Tod meines Papas, vor 10 Monaten, sehr geholfen. Ich habe gebetet, unendlich viel geweint und gehofft, dass alles schon bald wieder besser werden wird. Wenn ich all das Leid da draußen tagtäglich jedoch miterlebe, frage ich mich oft, wieso Gott all das zulässt, wenn es ihn doch tatsächlich gibt. Als ich den Klappentext von Jesus Jackson das este mal durchgelesen hab wusste ich sofort, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss. Ich war richtig neugierig auf diese Geschichte und freute mit auf Jesus und Jonathan und deren Begegnung und was sich dadurch alles verändern würde.

Jonathan ist ein Junge, der gerade sehr viel Schmerz und Wut in sich trägt. Er hat seinen Bruder verloren und kann all das nicht verstehen. Ryan soll sich umgebracht haben? Genau das kann sich Jonathan absolut nicht vorstellen. Wem soll er noch vertrauen und wem kann er die Schuld an dem Tod seines Bruders geben? Er ist ein unedlich starker Junge, der einfach mit alldem schnellstmöglich abschließen möchte um wieder ein normales Leben führen zu können. Jonathan habe ich sofort in mein Leserherz geschlossen. Ich konnte all seine Zweifel so gut nachvollziehen.Er glaubt an nichts und an keine Religionen. Mit Ryan hat er vor Jahren gemeinsam beschlossen, dem Glauben abzuschwören. Religionen sind vollkommener Humbug . Jonathan bezeichnet sich selbst als Atheist. Seine Mutter, die gläubig ist, ist von alldem natürlich nicht begeistert.

Jesus Jackson ist ein unglaublich witziger Jesus. Man glaubt wohl verrückt zu sein, wenn man ihm das erste mal begegnet. Der Autor hat einen sehr außergewöhnlichen Jesus und tollen Protagonist erschaffen, von dem ich mir jedoch mehr Auftritte in der Geschichte gewünscht hätte. Jesus Jackson trägt den Titel dieses Buches, kommt nur leider selbst etwas wenig darin vor. 

Der Schreibstil in diesem Buch passt sehr gut zu der Art dieser Geschichte. Anfangs musste ich mich etwas an diesen sehr jugendlichen und umgangsprachlichen Stil gewöhnen. Nach ein paar Seiten hatte auch ich mich eingelesen und konnte mir keinen besseren Schreibstil für diese Geschichte vorstellen. Die einzelnen Kapitel werden aus Jonathan's Sicht erzählt, der gerne auch einmal in die Zeit vor Ryans Tod zurückhüpft. Die Rückblicke mit Ryan habe ich sehr gerne gelesen. 

Diese Geschichte ist definitiv kein religiöser Roman. Es geht in diesem Buch nicht um den Glauben Gottes oder um Religionen und deren Spiritualität. Der Glaube an Gott wird einem nicht näher gebracht sondern eher der Glaube an sich selbst. Dies ist also kein Buch, dessen Geschichte dich von Gott oder den Religionen überzeugen soll. Es ist eine jugendliche Geschichte, deren Handlung ruhig zu lesen ist und somit ganz ohne Action und Spannung auskommt. Ich konnte das Buch trotzdem nur schwer aus der Hand legen, da mich die Art dieser Geschichte einfach faszinierte. An manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht und wäre Jesus Jackson etwas mehr vorgekommen hätte ich hier keinen Zebrapunkt abziehen müssen.

Eine Geschichte, die den Leser nachdenklich stimmt und ihm zeigt, dass man, egal an was oder wen man glaubt, einfach an irgendetwas glauben und den Glauben daran auch nicht beiseite schieben soll. Ein wunderbares tiefsinniges Buch, dessen Inhalt mich definitiv überzeugen konnte.

Letzten Endes darf man sich nicht ständig Gedanken wegen der Realität machen. Okay, nirgendwo da draußen muss es eine richtige Wahrheit geben. Aber wenn Jesus Jackson mich eines gelehrt hatte, dann die Tatsache, dass man die Wahrheit nie wirklich kennen kann. Weder die Wahrheit über das Leben noch die Wahrheit über Gott oder über das, was im Herzen eines anderen Menschen vorgeht - nicht mal die Wahrheit über das, was im eigenen Herzen vorgeht. Das Einzige, was man wirklich wissen kann, ist die Tatsache, wie es sich anfühlt. Wie es sich anfühlt, zu lachen und zu weinen und zu hasse und zu verletzen und zu hoffen und zu fürchten und zu lieben, wie es sich anfühlt zu leben. - Seite 293-294


 

  • Gebundene Ausgabe: 302 Seiten
  • Verlag: Magellan (17. Juli 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3734850150
  • ISBN-13: 978-3734850158
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
  • Preis: 16,95€ (D) -  17,50€ (A)

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