Samstag, 12. August 2017

Rezension: Eine allgemeine Theorie des Vergessens von José Eduardo Agualusa

© C.H. Beck Verlag
Wenn wir im Schlaf davon träumen, zu schlafen, können wir dann, wenn wir nicht wach sind, aufwachen in einer helleren Wirklichkeit? - Seite 33

Inhaltsangabe:
Es ist eine fantastische und doch ganz und gar wahre Geschichte: Am Vorabend der angolanischen Revolution mauert sich Ludovica, nachdem sie einen Einbrecher in Notwehr erschossen und auf der Dachterrasse begraben hat, für dreißig Jahre in ihrer Wohnung in einem Hochhaus in Luanda ein. Sie lebt von Gemüse, gefangenen Tauben und von einer Hühnerzucht, die sie auf der Dachterrasse wie durch Zauber beginnt, und bekritzelt die Wände in ihrer ausgedehnten Wohnung mit Tagebuchnotaten und Gedichten. Allmählich setzt sich aus Stimmen, Radioschnipseln und flüchtigen Eindrücken zusammen, was im Land geschieht. In den Jahrzehnten, die Ludovica verborgen verbringt, kreuzen sich die Wege von Opfern und Tätern, den Beteiligten an der Revolution, ihren Profiteuren und Feinden. Bis sie alle eines Tages erneut vor der Mauer in dem wieder glanzvollen Apartmenthaus stehen. 

Meine persönliche Meinung:
Ein Buch, dass ich ganz schnell dazwischen geschoben habe, da es mit seinen knapp 200 Seiten doch ein dünneres Büchlein ist. Neugierig geworden bin ich, als ich erfuhr, dass diese Geschichte ursprünglich für ein Spielfilmdrehbuch gewesen wäre, die José Eduardo Agualusa nun als Roman veröffentlicht hat. 2016 stand er mit diesem Drehbuch auf der Shortlist des Man Booker International Prize. 

Hierbei handelt es sich um ein sprachlich anspruchvolles Buch. Wir bekommen einen Einblick in die Geschichte Angolas. Agualusa thematisiert  in Eine allgemeine Theorie des Vergessens den Bürgerkrieg, die Unabhängigkeit, den Kolonialismus und über die Jahrzehnte andauernde Gewalt in diesem Land.

Trotz der schweren und bedrückenden Thematik lässt sich diese Geschichte wirklich flott lesen. Mit den Gedanken sollte man jedoch während dem lesen nicht abschweifen, ansonsten findet man nur schwer wieder in die Geschichte hinein. Man sollte doch etwas aufmerksamer lesen, um die ganzen Zusammenhänge zu verstehen. Wir lernen viele Protagonisten kennen, die ich gleich einmal alle durcheinander gebracht habe und schlussendlich nicht mehr wusste, wer zu wem gehört und was sie alle miteinander zu tun haben. Am Ende fügten sich dann doch wieder alle Puzzleteile zusammen, die Fragezeichen im Kopf wurden aufgelöst, aber da war meine Geduld dann leider auch schon etwas überstrapaziert.

Ludovica's Leben kann man sich nur schwer vorstellen. Sich für 30 Jahre in der Wohnung einzumauern um überleben zu können. Von ihrer Dachterrasse aus fängt sie Tauben, damit sie etwas zu essen hat. Ihre Wände benützt sie als Tagebuch und bekritzelt sie mit Gedichten. Eine Protagonistin, die ich gerne begleitet habe. Faszinierend und schockiert zugleich von ihrem Leben, hat mich diese Geschichte zurückgelassen. Ob sie den Krieg überleben wird? Das müsst ihr selbst nachlesen.

José Eduardo Agualusa hat in seinem Roman unvergessliche Szenen geschaffen, tragisch, komisch, grotesk. Schade nur, dass es immer wieder Stellen gab, die sich für mich furchtbar in die Länge gezogen haben. Eine Thematik, die mich doch sehr interessiert hätte, mich aber wiederum nicht so richtig packen konnte. Ich bin mir aber sicher, dass dieses Buch ganz vielen Lesern da draußen unglaublich gut gefallen wird. Bücher, die in so eine Richtung gehen, lese ich eher selten und ich glaube, dass es auch daran gelegen hat, dass es mich nicht so überzeugen konnte. Es war einfach nicht meine Geschichte. Ich vergeb somit knappe 3 Zebras.


  • Gebundene Ausgabe: 197 Seiten
  • Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (21. Juli 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406713408
  • ISBN-13: 978-3406713408
  • Originaltitel: Teoria Geral do Esquecimento
  • Preis: 19,95€ (D) - 20,60€ (A) 
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