Sonntag, 7. August 2022

Rezension: Der Duft der Blumen bei Nacht von Leïla Slimani

© Luchterhand Verlag

Schreiben heißt, sich Fesseln anlegen, doch aus diesen Fesseln selbst erwächst die Möglichkeit einer ungeheuren, schwindelerregenden Freiheit. - Seite 14

Inhaltsangabe:
Das bislang persönlichste Buch der französisch-marokkanischen Autorin Leïla Slimani. In diesem Buch nimmt sie uns mit auf eine Reise durch ihr Leben. Erinnerungen, Gedanken und sehr private Bekenntnisse, die sie alle während einer ungewöhnlichen Nacht in Venedig erlebt und aufgeschrieben hat. Eine Nacht im Museum Punta Della Dogana, dem einstigen Zollgebäude der Serenissima. Ein Ort, an dem sich seit jeher Orient und Okzident begegnen und der zum Sinnbild ihrer eigenen Geschichte wird. Die Autorin erzählt uns von ihrer Familie und ihrer Kindheit in Rabat, vom Alltag in Paris als Mutter und Schriftstellerin, vom Leben zwischen den Kulturen und der Kraft der Literatur. 
 
Bild- und Zitatrechte: Luchterhand Verlag. Aus dem Französischen von Amelie Thoma.
 
Meine persönliche Meinung:
Ich habe schon einiges von Leïla Slimani gelesen und war auch bisher immer sehr angetan von ihren Büchern. Als ich dieses Büchlein das erste Mal in der Hand gehalten habe, war ich erstaunt, wie dünn es ist und habe mir somit auch nicht mehr viel erwartet. Ich wusste sofort, dass man hier nur einen kleinen Einblick in ihr Leben bekommen wird, mehr aber auch nicht und so war es dann auch. 
 

Sonntag, 10. Juli 2022

Rezension: Die Paradiese von gestern von Mario Schneider

© Mitteldeutscher Verlag
Der Krieg ist wie eine Krankheit, eine Epidemie, die sich weit vom eigentlichen Epizentrum der Front, hinein in die noch so entlegensten Ecken des Landes ausbreitet. - Seite 15

Inhaltsangabe:
Ein junges Paar aus Ostdeutschland, Ella und Rene, verbringen nach der Wende ihren ersten Sommer in Freiheit in Südfrankreich. Auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit geraten sie in das marode Schlosshotel der Madame de Violet, einer Gräfin, die mit ihrem Diener wie in einer vergessenen Zeit lebt. Es stellt sich heraus, dass sie die einzigen und auch letzten Gäste sein werden. Die beiden erleben die Verlockungen und Enttäuschungen einer neuen Welt und die Zerbrechlichkeit ihrer fest geglaubten Beziehung.
 
Bild- und Zitatrechte: Mitteldeutscher Verlag.

Meine persönliche Meinung:
Aufgefallen ist mir dieses wunderschöne Buch auf Instagram. Ich muss gestehen, dass ich den Verlag davor nicht gekannt habe, aber aufgrund des Covers und des Klappentextes wurde ich neugierig auf diese Geschichte. Nach und nach habe ich immer wieder begeisterte Rezensionen gelesen, somit stand ziemlich schnell fest, dass ich dieses Buch auch gerne lesen möchte.

Ein Glück ist umso größer, je unwahrscheinlicher es ist. - Seite 18

Beginnt man die Geschichte zu lesen, befindet man sich erstmals in der Vergangenheit. Wir lernen das frühere Leben von Charlotte, Madame de Violet, und ihren Angestellten kennen. Schon auf den ersten Seiten habe ich ihren Portier, Vincent, in mein Herz geschlossen. Ein so liebenswürdiger und aufmerksamer Mann, der stets an ihrer Seite ist. Charlottes Sohn, Alain, wuchs so gut wie ohne Vater auf, der hatte einfach viel zu tun und man merkt recht schnell, dass Vincent diese Rolle recht früh übernommen hat, als ein guter alter Freund Angestellter der Familie. Zusammenhalt steht hier ganz groß im Vordergrund.

Samstag, 25. Juni 2022

Rezension: Tagebuch einer furchtbar langweiligen Ehefrau von Marie-Renée Lavoie

© Eichborn Verlag
Eigentlich gibt es nur ein echtes Problem bei einer Hochzeit: das gegenseitige Treuegelöbnis. Es ist einfach unseriös, sich Liebe für ein ganzes Leben zu versprechen, in guten wie in schlechten Zeiten. - Seite 8

Inhaltsangabe: 

Diane, 48 Jahre alt, wird von ihrem Mann verlassen. Sie sei ihm zu langweilig geworden. Er habe auch noch eine neue Freundin, die natürlich ein paar Jahre jünger als sie ist. Diane macht sich auf die Suche nach ihrem Selbstvertrauen und erlebt Zusammenbrüche in Umkleidekabinen, Weißweinpartys am frühen Nachmittag, kleine Rachen an der Geliebten sowie der ewig vorwurfsvollen (Ex-)Schwiegermutter und Zerstörungsorgien im ehemals trauten Heim.

Bild- und Zitatrechte: Eichborn Verlag. Aus dem kanadischen Französisch von Christiane Landgrebe.

Ich habe geheiratet, weil die Familie meines Mannes Liebe allein zu simpel fand. Ich hatte bis dahin noch nie gehört, dass Einfachheit etwas Schlechtes sein könnte. Aber sie wollten es gern schwierig - bitte schön, jetzt konnten sie es erleben: Scheidungen sind schließlich alles andere als simpel. - Seite 9

Meine persönliche Meinung:

Was für ein toller und witziger Roman. Ich habe dieses Buch ab der ersten Zeile an geliebt. Eine Geschichte, die dich vom Anfang bis zum Ende immer wieder zum schmunzeln einlädt.

Wenn man sich seinen Ehemann zu sorgfältig aussucht, fällt es einem später schwer, ihn zu teilen. - Seite 28

Eine Protagonistin, mit der ich viel gelacht habe. Diane ist seit 25 Jahren verheiratet und hat bereits 3 erwachsene Kinder. Alles ist so, wie es im ganz normalien Familienalltag abläuft. Die Kinder werden groß, ziehen aus und die Eltern haben das traute Heim wieder für sich alleine. Diese Zeit wollte Diane mit ihrem Mann eigentlich genießen, als dieser sich von ihr trennt und mit seiner neuen Freundin neue Wege geht. Damit diese Trennung zu keinem Skandal wird, verlangt man von Diane, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und die Silberhochzeit dennoch mit allen Freunden und Verwandten zu feiern. Nicht mit ihr! Ihre Wut lässt sie desöfteren im Haus aus, durchbricht Wände und gestaltet so das Haus neu um. Sie besucht ab sofort eine Therapeutin und durchlebt alle Höhen und Tiefen einer Trennung, die alles andere als langweilig sind.

Alle Fehler, die er nicht hatte, erinnerten mich an meine eigenen, und so hatte ich den Eindruck, in all den Jahren dem Mann, der mich vielleicht eher aus Mitleid denn aus Liebe geheiratet hatte, nie gerecht geworden zu sein. - Seite 29

Die Autorin hat sich mit dieser Geschichte eine Ehe vorgeknöpft und daraus ein herrliches Bild unserer Gesellschaft dargestellt. Ein Gedankengang, der mir gleich am Anfang des Buches aufgefallen und einfach nur herrlich ist:
Als junger Mensch ist man euphorisch in der Liebe. Man verspricht sich, sich für immer zu lieben und das nichts und niemand die Beziehung zerstören wird. Dennoch wissen wir alle, dass nichts für die Ewigkeit und das Leben unberechenbar ist. Die geschiedenen Frauen wissen all das auf einer Hochzeit und trotzdem wird zu "I will survive" getanzt. Ein bitterböser Humor, der sich stets durch die ganze Geschichte zieht und genau das hat mir so unglaublich gut gefallen.
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