Donnerstag, 18. März 2021

Es wurde mal wieder Zeit .... für ein paar Buchzitate!

Ich habe wieder ganz tolle Buchzitate gesammelt, die ich euch nun zeigen möchte:

 

Waltauchen von David Bröderbauer
Seite 41-42 // "Das Fruchtwasser, so liest er, gleicht in seiner Zusammensetzung dem Meerwasser, erdende Mütter tragen den Ozean in sich. Er betrachtet die Bäuche Schwangerer und stellt sich vor, wie die Babys darin tauchen. Er ist fest davon überzeugt, dass sie alles registrieren, was um sie herum vorgeht, wie die Delfine, die mit ihrem Sonar in absoluter Dunkelheit sehen, die damit sogar in die Körper anderer Lebewesen hineinschauen können."

Seite 48 // "Er ist davon überzeugt, dass einen die Begegnung mit einem Wal von Grund auf verändert, aber nur, wenn man ihm wirklich begegnet, von Auge zu Auge. Dass er selbst noch nie einen Wal gesehen hat, ist ein Problem. Eines Tages muss er einem echten Wal begegnen, das schwört er sich, und es wird der schönste Tag in seinem Leben sein."

Seite 57 // "Ich muss daran denken, das der Freund ohne Kinder gesagt hat, dass das Vatersein nicht unbedingt zum Leben dazugehört. Ja, denke ich, er hat recht, aber gleichzeitig werde ich das Gefühl nicht los, dass er unrecht hat. Ob man will oder nicht, das Leben besteht aus Phasen. Man ist Embryo, Säugling, Kind, Heranwachsender, man wird erwachsen, man löst sich von den Eltern, sie werden alt, und bevor man sich's versieht, wird man vom Kind zum Vormund. Man kann sich diesen Phasen entziehen, das mag sein, aber deshalb verschwinden sie nicht, sie sehen dich an wie blinde Spiegel und fordern ein Bild von dir. Jede Phase hat ihre begrenzte Zeit, früher oder später endet sie, dann muss etwas Neues kommen, sonst tut sich ein Loch auf. Man kann keine Phase so einfach überspringen, die einem nicht passt. Man kann vielleicht die Phasenübergänge hinauszögern, versuchen, ewig in einer Phase zu bleiben, sich nicht zu verändern, aber dann beginnt man zu mumifizieren, dann wird man ein starres Abbild seiner selbst, das sich nicht mehr weiterentwickelt. Ich für meinen Teil will mich ändern, ich will nicht der bleiben, der ich bin."

Seite 79 // "Die Haut hat ihre eigene Schrift. Erst mit den Jahren lernt sie schreiben, dann zeichnet sie dafür umso gewissenhafter auf, wie man lebt. Sie verschriftlicht die Pfade, die das Lachen im Gesicht nimmt, bezeichnet die Stufen des Grübelns auf der Stirn und dokumentiert gewissenhaft die Wege, die auf der Suche nach dem Sinn dieses einen Lebens ausgetreten werden."

Seite 94 // "Alles Wissen aus seiner Knabenzeit ist wieder da, und mit ihm der Knabe, der das alles und noch mehr weiß, der in seinem Zimmer sitzt und in Büchern liest, der die Luft anhält, um der größte Taucher der Welt zu werden. Der Knabe, der sich nichts mehr wünscht, als einmal einen echten Wal zu sehen."

Seite 107 // "Denn Vera würde sagen, Sorgen machen bringt sich nichts. Sie muss selbst darauf kommen, dass man sich über sein Leben Gedanken machen muss, und das besser früher als später, sonst wird es nämlich eng. Aber man macht sich Gedanken immer erst später, weil man in den Tag hineinlebt, wenn man jung ist, weil man vor dem Dreißiger glaubt, man hätte unendlich viel Zeit, das Leben dauere ewig. Aber das stimmt nicht. Auserdem ist das Leben nicht immer gleich, ständig ändert sich etwas und man selbst ändert sich. Wenn man nicht aufpasst, merkt man es gar nicht, bis es fast zu spät ist, und dann muss man schnell reagieren, dann steigt der Druck. Man muss rechtzeitig Entscheidungen treffen, wenn man richtig leben will." 

(Bild- und Zitatrechte: Milena Verlag) 

 

Kim Jiyoung, geboren 1982 von Cho Nam-Joo
Seite 176 // "Es ist ganz normal, dass in allen Bereichen die Technik Fortschritte macht und die Körperkraft immer seltener benötigt wird, was die Arbeit an sich aber nicht weniger werden lässt. Ausgerechnet die Hausarbeit erkennt man ungern als solche an. Seit Jiyoung Hausfrau geworden war, wurde ihr die Doppelmoral, mit der die meisten Menschen Hausarbeit bewerten, regelmäßig bewusst. Mitunter bezeichneten sie diese Tätigkeit geringschätzig als zu Hause herumlungern, dann wieder erhoben sie sie zu einer lebensrettenden Arbeit, doch niemand unternahm einen Versuch, ihren Wert zu beziffern. Wahrscheinlich hatten sie Sorge, dass jemand dafür bezahlen müsste, wenn man dafür erst einmal einen Lohn ermitteln würde."

Seite 178 // "Im Fernsehen oder Film kamen immer nur hübsche, süße und artige Kinder vor, und die Mütter wurden als schön, elegant und selbstlos dargestellt. Natürlich wollte sich Jiyoung als verantwortungsvoll erweisen und ihr Kind vorbildlich umsorgen und erziehen. Aber sie wollte nicht von anderen hören, wie großartig sie sei und wie stolz sie ihr Umfeld mache. Denn sie fand, solche Lobhudeleien nahmen ihr das Recht, erschöpft zu sein."

(Bild- und Zitatrechte: Kiepenheuer & Witsch Verlag)

 

Male von Roman Ehrlich
Seite 51 // "Die Zeit vergeht so schnell, wenn man ungestört dahinlebt, wenn sich einem keiner in den Weg stellt, wenn einen niemand stört auf der eigenen Bahn. Wahrscheinlich - und das habe ich mir eben hier auf der Insel schon häufig gedacht - vergeht das Leben am schnellsten, wenn man wirklich einmal ganz ungestört allein ist. Das Leben in Gesellschaft, also eines, das ständig seine Richtung ändern muss, weil es sich tatsächlich stören lässt von den anderen, anstatt nur immer wieder über sie hinwegzugehen, das dauert ewig. Deshalb hält das ja auch niemand aus und zieht sich jeder irgendwann auf sein Eigenes zurück." 
 
(Bild- und Zitatrechte: S.Fischer Verlag)
 
 
 
 
 
 
Schnell.liebig: Das Herz will wieder riskiert werden von Lina Mallon
Seite 91 // "Liebe entsteht nicht dadurch, dass wir jemanden brauchen, dass wir ohne jemanden nicht sein können, so wie ich es früher angenommen hatte. Liebe ist, wenn wir uns ganz frei für jemanden entscheiden möchten."

Seite 102 // "Es gibt Dinge, die unheimlich weh tun. Für die du dich schämst, dass du sie nicht einmal deinen Freundinnen erzählst. Dinge, die etwas in dir kaputt machen."

Seite 103 // "Am Anfang unserer Zwanziger finden wir Freunde, während unserer Zwanziger verlieren wir viele und an unserem dreißigsten Geburtstag wissen wir dann, wer wirklich unsere Freunde sind."

Seite 104 // "Als Anika mir von ihrer Schwangerschaft erzählt, plane ich gerade meinen Festivalsommer. Als ihr Sohn geboren wird, reise ich mit einem Presseteam nach Afrika. Sie ist nicht die erste meiner Freundinnen, die ein Kind bekommt, aber sie ist die engste. Und obwohl wir uns versprechen, dass sich nichts ä
ndern wird, dass wir wir bleiben werden - macht unsere Freundschaft zwei schwere Jahre durch. Es ist einfach, befreundet zu sein, wenn man das Gleiche fühlt, denkt, sich um dieselben Träume oder Ziele dreht. Und es ist härter, als man sich es vorstellt, aber umso wertvoller, gerade dann befreundet zu bleiben, wenn sich das irgendwann verändert, wenn man sich nicht mehr blind versteht, wenn du nicht mehr auf einen einzigen Blick erkennst, was den anderen gerade beschäftigt."

Seite 121 // "Wir sind vielleicht gar nicht mit Hochgeschwindigkeit unterwegs, um alles zu haben, vielleicht geht es gar nicht darum, dass du oder wir Angst haben zu bremsen, zu rasten, vielleicht prokrastinieren wir ja längst die ganze Zeit um unser eigenes Leben, um Entscheidungen herum, überrunden uns die ganze Zeit selbst, nur um nicht zu erfahren, was wir wirklich haben könnten. Wir trennen uns immer wieder, nur um nichts von dem zu verpassen, was wir gerade verpassen: Liebe, Nähe, Gefühle."

Seite 131 // "Verleugnung ist für jemanden, der sich unglücklich verliebt, der Schlüssle zum Überleben. Wir leugnen, dass wir nicht loslassen können, wir leugnen, dass wir noch hoffen, dass wir noch an diesem möglichen Gefühl festhalten, wir leugnen, dass es wehtut, wir leugnen, was wir wirklich wollen, und vor allem leugnen wir unsere Enttäuschung, unser Unverständnis."

Seite 135 // "Wie schön wäre es, wenn wir Gefühle einfach überspringen, einfach ein neues Etikett auf eine verfahrene Geschichte pappen und so jeden Konflikt lösen könnten. Einfach miteinander den Schmerz, die Eifersucht, die Enttäuschung oder die Sehnsucht ausradieren und gegen ein platonisch, lauwarmes Gefühl ersetzen, das nicht nur alle anderen uns, sondern wir auch selbst glauben und fühlen konnten. Aber leider ist das Bullshit."

Seite 159 // "Immer wenn ein neues Baby in meinen Freundeskreis kommt, fühle ich mich fast unter Druck gesetzt, mich jetzt bloß genug zu freuen, damit bloß niemand denkt, ich würde die Lebensentscheidungen meiner Freunde nicht genug unterstützen. Denn mein mangelnder Kinderwunsch allein ist ja quasi schon ein Statement."

Seite 160 // "Machmal hatee ich das Gefühl, eine Frau konnte sich entweder die Zeit und die Freiheit nehmen, herauszufinden, was sie wirklich vom Leben wollte. Oder sie konnte Kinder bekommen."

Seite 175-176 // "Nur ein Sache, die kann ich immer noch nicht: mit Sehnsucht umgehen. Oder mit Einsamkeit. Wann immer ich sie fühle, wann immer ich sie nicht mehr aushalte, wann immer ich mich festgefahren oder unbedeutend fühle, verführt sie mich dazu, die Menschen zurück in mein Leben zu lassen, von denen ich mich doch eigentlich längst entfernt hatte."
 
Seite 212 // "Wer nicht über dich hinweg ist, der sagt dir, dass er es ist. Wer es wirklich ist - muss es nicht mehr."
 
Seite 245 // "Ich glaube, wenn man aufhört, eine gewisse Vorstellung zu haben und nach ihr zu suchen, ist man offen genug, um die Liebe zu sehen, die längst da ist. In dem Moment, in dem du niemanden mehr finden willst - steht er einfach vor dir!"

Seite 253 // "Wir brauchen unsere Erwartungen, sie sind der Motor, sie sind das, was uns antreibt, das, was uns irgendeine Richtung gibt, damit wir uns in Bewegung setzen können, damit wir loslaufen."

(Bild- und Zitatrechte: Eden Books)

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