Samstag, 11. April 2015

Rezension: Erst wirst du verrückt und dann ein Schmetterling von Sjoerd Kuyper

© Gabriel Verlag
Eigentlich müsste sie zum Psychiater. Aber Verrückte gehen nicht zum Psychiater, weil sie in ihrer Verrücktheit glauben, sie wären als Einzige auf der Welt normal, so wie Geisterfahrer glauben, sie würden als Einzige auf der richtigen Seite fahren. - Seite 66

Inhaltsangabe:
Kos braucht dringend Auftrieb aber im Moment sieht es absolut nicht danach aus. Es war an einem Sonntag, an dem er sich sicher war, alles zu können. Fliegen zum Beispiel. Stattdessen erlebt Kos gerade eine Bruchlandung. Sein Vater erleidet einen Herzinfarkt und lässt Kos mit Hotel und seinen drei starrköpfigen Schwestern allein zurück. Sein Vater muss sich mehr als nur schonen und darf sich noch dazu absolut nicht aufregen. Na wenn der wüsste, was sich im Familienhotel tagtäglich abspielt. Und dann ist da auch noch Isabel - die Kos noch immer nicht geküsst hat. Als 13- jähriger, mitten in der Pubertät, hat man es eben nicht leicht. 

"Wenn du die Frauen nicht verstehst", sagte er, "kannst du ihnen nicht beibringen, dich zu verstehen, darum verstehen sie die Männer nicht und können denen nicht beibringen, sie zu verstehen, und darum verstehen wir Männer die Frauen nicht. Verstanden?"
"Nein. Jetzt bin ich jedenfalls nur noch in meine Puch verliebt." - Seite 42

Meine persönliche Meinung:
Hat man die ersten Seiten erstmal gelesen, merkt man sofort, dass man es hier mit einer sehr verrückten und temperamentvollen Geschichte zu tun hat. 

Das Denken setzt ein, wenn man darüber spricht. Erst dann. Weil man die richtigen Worte finden muss. Und während man danach sucht, denkt man über das nach, was passiert ist, und mit einem Mal sieht alles anders aus. Wenn man sich wütend oder traurig ins Bett legt, wird alles nur noch schlimmer. Aber wenn man darüber spricht, versteht man, warum es so oder so gelaufen ist, und wenn man es aufschreibt, findet man vielleicht sogar eine Lösung. - Seite 97-98

Die Geschichte wird von Kos selbst erzählt, indem er seine Erlebnisse und seinen Alltag auf ein Tonband spricht. Dieses Tonband hat er von Walput, dem Koch des Familienhotels, geschenkt bekommen. Kos muss von heut auf morgen das Hotel mit seinen drei Schwestern führen. Dessen Vater hatte einen Herzinfarkt und muss nun für längere Zeit im Krankenhaus bleiben.

Backsteine verstehen mehr von Zebras als Männer von Frauen. - Seite 95

Libbie ist neunzehn und in einen jungen, sehr sehr schrägen und unglücklichen Dichter, verliebt. In Felix, der den ganzen lieben Tag an der Hotelbar sitzt.
Briek, fünfzehn Jahre alt, verbringt ihr Leben und ihre Freizeit als Goth. 
Pel, neun Jahre alt, glaubt, dass ihre Mutter, die bereits gestorben ist, immer noch bei ihnen ist. 
Kos ist dreizehn Jahre alt und muss mit all diesen verrückten Leuten ein Hotel führen. 

Lügt man, dann lauschen alle wie gebannt, aber sagt man die Wahrheit, glaubt einem keiner. - Seite 110

Zeilen und Situationen die mich immer wieder zum schmunzeln gebracht haben. Eine außergewöhnliche Geschichte, die für mich jedoch nicht immer realistisch war. Der Vater kommt ins Krankenhaus, die älteste Tochter wird aber nicht als vorübergehende Leiterin des Familienhotels herangezogen. Sondern Kos, der zweitjüngste, der einfach absolut keine Ahnung davon hat, ein Hotel zu führen. Dies fällt niemandem auf, obwohl die Gäste nach und nach abreisen und das Hotel leer bleibt. Kos Schwestern waren für mich etwas too much. Ein abgedrehtes Trio, bei dem "weniger ist mehr" angebracht gewesen wäre. Kos Ideenreichtum erfreute mich dafür umso mehr. Ein Protagonist, der die Mundwinkel nach oben ziehen lässt.

Ob man acht Kinder hat oder nur eins, spielt keine Rolle, man gibt seinen Kindern alle Liebe, die man hat. Und man steckt seine gesamte Energie rein. In acht Kinder oder in eins. Und abends ist man erschöpft - so oder so. Und glücklich - so oder so. - Seite 118

Die Geschichte plätschert so vor sich hin. Es passieren zwar immer wieder Dinge, jedoch nichts weltbewegendes, dass eventuell Spannung und Neugierde aufgebaut hätte. Kos herannahende Liebesbeziehung mit Isabel hätte man noch viel mehr ausbauen können. Auch sein Testspiel, für einen absolut großen Fußballverein, hätte mehr Potenzial für einen mitfiebernden Aufbau gehabt. Die Stimmung bliebt stets gedrückt und auch bei mir entflammte keine richtige Begeisterung. Mir fehlten einfach mehr Emotionen in der Geschichte. Vielleicht liegt es daran, dass der Autor selbst erst dreizehn Jahre jung ist, und auch daher der Schreibstil eher langweilig zu lesen und alles etwas schnoddrig rüberkommt. Schade, denn ich konnte mir aus diesem Buch, doch das ein oder andere wundervolle Buchzitat herausschreiben. Ein toller Buchtitel, dessen Inhalt aber nicht so richtig für den Inhalt des Buches spricht. Ein wenig realistischer, etwas mehr Emotionen und weniger übertriebene dargestellte Protagonisten hätten diese Geschichte ansonsten zu etwas ganz besonderen und außergewöhnlichen gemacht.

Mama stand auf Jungs", sagte Papa. "Und auf Männer. Sie hat immer gesagt: Männer müssen einen zum Lachen bringen, sie müssen einen schön finden, sie dürfen nicht berechenbar sein, sie sollen gern Sex haben, aber nicht die ganze Zeit an einem dranhängen, und sie sollen viele gute Bücher lesen. - Seite 127



  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Gabriel Verlag; Auflage: 1. (9. März 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3522303946
  • ISBN-13: 978-3522303941
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren
  • Preis: 14,99€ (D) - 15,50€ (A)

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1 Kommentar:

  1. Der Titel klingt ja mal irgendwie sehr verrückt! :D Allein deswegen sollte es eigentlich auf der Wunschliste landen. Allerdings weiß ich schon jetzt, dass der Inhalt wohl nichts für mich ist. Aber vielleicht findet jemand anderes ja seinen Lesespaß daran! Schöne Rezension! :)

    Liebste Grüße,
    Nazurka

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