Dienstag, 20. Februar 2018

Rezension: Die Farbe von Milch von Nell Leyshon

© Eisele Verlag
Erst wenn man etwas nicht mehr kann vermisst man es. - Seite 47

Mary kennt nichts anderes als harte Arbeit. Diese ist sie gewöhnt, denn auf dem Bauernhof ihrer Eltern muss sie tagtäglich mit anpacken und ihr Leben verläuft somit karg und entbehrungsreich. Als sie fünfzehn wird, verändert sich alles. Sie zieht in den Haushalt des örtliches Dorfpfarrers. Ihre Eltern bekommen dafür Geld und Mary muss sich fortan jeden Tag um die kranke Ehefrau kümmern. Mary eröffnet sich dadurch eine neue Welt. In ihrer einfachen, unverblümten Sprache erzählt sie, wie ihr Schicksal eine dramatische Wendung nimmt, als die Pfarrersfrau stirbt und sie plötzlich mit dem Hausherrn alleine zurückbleibt.

Das Leben kann entweder aus lästigen Pflichten bestehen oder aus Freude. Da nehme ich doch lieber Letzteres. - Seite 92

Meine persönliche Meinung:
Was für ein Cover. Auf "Die Farbe von Milch" bin ich dank Instagram aufmerksam geworden. Gefühlt hab ich dieses Buch auf jedem Profil gesehen. Meine Neugierde wuchs und ich wusste sofort, dass auch dieses Buch bei mir einziehen muss. Die Freude war rießengroß, als das Buch endlich in meinem Briefkasten vorzufinden war. Eine wahre Augenweide in jedem Bücherregal. 

Der Schreibstil ist sehr gewöhnungsbedürftig. Als ich die ersten Seiten gelesen habe, wusste ich erst einmal nicht, was ich davon halten sollte. Beistriche, die einfach weggelassen wurden. Gefühlt las ich alles in einer Wurst. Ich musste langsamer lesen, damit ich überhaupt mitbekam, was ich denn hier zu lesen bekomme und worum es überhaupt geht. Ich habe etwas gebraucht, um mich an die Schreibweise dieser Geschichte zu gewöhnen. "Die Farbe von Milch" ist definitiv anders als alle anderen Bücher.

Manchmal ist es gut wenn man ein Gedächtnis hat denn das ist die Geschichte des eigenen Lebens und ohne Gedächtnis hätte man gar nichts. Aber manchmal da bewahrt das Gedächtnis Dinge auf die man lieber nicht mehr wüsste und egal wie sehr man sich anstrengt sie aus dem Kopf zu kriegen sie kommen immer wieder zurück. - Seite 163

Charaktere die unglaublich stark und so interessant sind. Mary ist ein Mädchen, dass harte Arbeit gewohnt ist. Von ihren Eltern bekommt sie kaum die Zuneigung und die Liebe, die ein Kind eigentlich bekommen sollte. Mary und ihre Geschwister sind dazu da, um am Hof mitarbeiten zu können. Für Mary ganz normal. Sie kennt es nicht anders. Tägliche Aufgaben, die sie von früh bist spät erledigen muss. Ihre Eltern sind streng und es werden Strafen ausgeteilt, wenn sie ihr Soll nicht erfüllt. Mary ist ein sehr aufmerksames Mädchen. Um ihren Großvater, der ebenfalls am Hof wohnt, aber schon sehr gebrechlich ist, kümmert sie sich rührend. Jede freie Minute huscht sie in sein Zimmer, um ihn einen Besuch abzustatten. Natürlich oft heimlich, denn beim Nichtstun darf sie auf keinen Fall erwischt werden. Mary zu begleiten, verursacht beim Leser Freude aber auch Schmerzen. Furchtbar, wie sie ihre Kindheit verbringen muss, wie sie von ihren Eltern behandelt wird und wie sie all das durchstehen muss, aber Mary ist hart im nehmen und liebt ihr Leben so wie es ist. Bis zu ihrem 15. Lebensjahr. An diesem Tag wird Mary verkauft. Sie zieht in den Haushalt des örtlichen Dorfpfarrers, um dessen kranke Ehefrau zu pflegen. Mary's Familie erhält dafür hingegen Geld. Von diesem Tag an ist alles anders.

Bei dem Dorfpfarrer erlebt Mary so einiges. Das positive: Das erste Mal erfährt sie dort Wohlwollen und Anteilnahme. Irgendwie fühlt sie sich dort sehr wohl, wäre da nicht der Sohn des Dorfpfarrers, den Mary zuvor schon einmal, unter anderen Umständen, kennenlernen durfte. Mit ihm versteht sie sich nicht wirklich gut. Kennt man jedoch dessen Gründe, versteht man sie sehr gut. Wir begleiten Mary und durchstehen mit ihr Höhen und Tiefen. Manche Szenen sind sehr schockierend und äußerst berührend. Trotz der großen Anfangsschwierigkeiten konnte ich "Die Farbe von Milch" nicht mehr aus der Hand legen, da mich die Geschichte so richtig gepackt und nicht mehr losgelassen hat. Ich musste wissen, wie es mit Mary weitergeht und zu was für einem Ende diese Geschichte kommen wird.

Ich möchte gar nicht mehr zu viel von der Handlung verraten, denn auch ich habe mich einfach auf dieses Buch eingelassen und wurde wirklich positiv überrascht. Ich war anfangs nach ein paar Seiten so negativ eingestellt, da ich mit dem Schreibstil einfach nicht sofort zurecht kam, aber umso mehr ich las, umso grandioser fand ich den Aufbau und die Art dieses Buches. Es beinhaltet stets Spannungsmomente, bei denen man das Gefühl hat, unbedingt weiter lesen zu müssen. Man hat einfach keine andere Wahl, erst wenn man es zu Ende gelesen und die letzte Seite umgeblättert hat. Ja, dieses Buch ist sehr speziell und wahrscheinlich findet nicht jeder Gefallen daran. Entweder man mag es oder man mag es nicht! Ich mochte es, trotz Anfangsschwierigkeiten und möchte es euch hiermit wirklich ans Herz legen. Traut euch, greift in der Buchhandlung danach und lasst euch von Mary mitnehmen.


  • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
  • Verlag: Eisele Verlag (22. September 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3961610002
  • ISBN-13: 978-3961610006
  • Originaltitel: The Colour of Milk
  • Preis: 18€ (D) - 18,50€ (A)
http://www.buecher-stierle.at/product/3000000034719/Buecher_Historische-Romane/Nell-Leyshon/Die-Farbe-von-Milch
- draufklicken und in der Buchhandlung bestellen, in der ich arbeite :)


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