Freitag, 16. Februar 2018

Rezension: Wintersterne von Isabelle Broom

© Diana Verlag
Wenn die Menschen nur in der Lage wären, auch die faszinierende Geschichte, die in den Falten eines Gesichts zu lesen war, zu würdigen und nicht nur vor Jahrhunderte alten Monumenten in Ehrfurcht zu erstarren. Die Welt wäre so viel glücklicher, wenn alle Menschen ab und zu innehalten und etwas mehr und gründlicher nachdenken würden. Sie könnten ein solches Antlitz schön finden und über das zurückliegende Leben nachdenken, das es geformt hatte, anstatt immer nur auf die vor ihnen liegende Straße zu starren. - Seite 146

Inhaltsangabe:
In einer Hotelbar, in der wunderschönen Stadt Prag, lernen sich Hope, Megan und Sophie kennen. Die drei Frauen sind völlig unterschiedlich, verstehen sich aber auf Anhieb. Gemeinschaftliche Streifzüge durch die winterlich verzauberte Stadt konfrontieren sie mit ihrer Vergangenheit, mit ihren Herzenswünschen und führen sie zu besonderen Begegnungen. Eine Reise ins magische, verschneite Prag. Drei Frauen. Drei Liebesgeschichten. Eine unvergessliche Stadt.

Liebe ist nicht immer so klar zu erkennen", sagte Hope ernst. "Manchmal glaubt man, jemanden zu lieben, und stellt dann Jahre später fest, dass es nie so war. Dann man den Gedanken geliebt hat, verliebt zu sein, und nicht den Menschen. - Seite 227

Meine persönliche Meinung:
Ich hatte Lust auf eine schöne winterliche und vor allem weihnachtliche Geschichte für zwischendurch. Eine Freundin hat mir so sehr von Olivensommer der Autorin vorgeschwärmt, dass ich mich nun für ihre Wintergeschichte entschieden habe. Natürlich hat mich auch sofort dieses wunderschön gestaltete Cover überzeugt, dass definitiv die Freude an die kalte Jahreszeit ausstrahlt.

Wenn zwei Menschen einander mögen, dann sollten sie zusammen sein. Das sollte eigentlich kein Problem darstellen. - Seite 379

Isabelle Broom entführt den Leser in die wunderschöne Stadt Prag. Hope, Megan und Sophie verbringen dort ein paar Tage um dem Alltag zu Hause zu entfliehen. Hope ist mit ihrem neuen Lebenspartner angereist, Megan mit ihrem besten Freund und Sophie vorerst alleine, denn ihr Ehemann sollte noch nachkommen. Drei Frauen, deren Leben unterschiedlicher nicht sein könnte. Als sie sich zufällig in der Hotelbar kennenlernen, verstehen sie sich auf Anhieb. Jede Frau hat ihre eigene Geschichte zu erzählen. Probleme, vor denen sie fliehen und Hoffnungen, die sie an Prag und die paar Tage Urlaub haben. Persönliche Einblicke, die so manche dunklen Geheimnisse preisgeben.

Wenn der Krebs eine Geisel genommen hatte, verhandelte er nicht. Auch mit so viel Liebe, Hoffnung oder Verzweiflung konnte man einen Menschen seinen Klauen nicht entreißen. Man konnte bloß daneben stehen und zusehen, wie der geliebte Mensch immer mehr verfiel. Zusehen, wie ihm die verzweifelten Bemühungen, die Krankheit zu besiegen, jegliche Kraft, all seine Energie und seine wunderschönen Haare raubten, wie seine verkrustete Kopfhaut kalt und von grauen Flecken übersät wurde. - Seite 383

Abwechselnd bekommen wir in einzelnen Kapiteln die Geschichte der einzelnen Frauen zu lesen. Allesamt sind sie bodenständig und sympathisch. Sophies Leben gerät gerade aus den Fugen und versucht sich mit und in Prag einen Wunsch zu erfüllen. Megan, die für ihre Karriere als Fotografin alles gibt und in Prag Bilder für ihre Ausstellung zusammenbekommen möchte. Hope, die Übermutti,  dessen Tochter zu Hause ausgezogen ist und sie seitdem nicht mehr weiß, was sie mit ihrem Leben noch anfangen soll. Drei Frauen, die ihre Schwächen und Stärken haben und manches mal möchte man sie einfach nur schütteln und ihnen die Meinung geigen, oder sie einfach nur in den Arm nehmen um ihnen Verständnis zu zeigen.

Der Tod war eine Sache, die Trauer eine ganz andere. Während der eine so endgültig und unabdingbar war, schien die andere ein viel tödlicherer Feind zu sein. Trauer hielt sich im Hintergrund, wartete auf den richtigen Moment, um zuzuschlagen, dann packte sie einen am Hals, bis man keine Luft mehr bekam. Diese brennende Wut über ein Geschehen, das man nicht begreifen konnte. Im Vergleich zu dem brutalen, erbarmungslosen und allumfassenden Gefühl der Trauer kam einem der Tod wie ein netter Verwandter vor. - Seite 403

Ein angenehm zu lesender Schreibstil, der mir sehr gut gefallen hat. Hier handelt es sich definitiv um eine Geschichte, die sich richtig gemütlich am Kamin bei einer Tasse Tee lesen lässt. Winterliche Weihnachtsstimmung hatte ich spätestens nach diesem Buch auf jeden Fall. Die Autorin hat Prag so Detailgenau in ihre Geschichte eingebaut, dass ich mich während dem Lesen fühlte, als wäre ich selbst dort und würde all das miterleben. Kopfkino vom Feinsten! Ich konnte mich so gut in die Geschichte hinein versetzen. Während die Geschichte am Anfang so dahin plätschert und man stets denkt, dass eigentlich nicht viel passiert, nimmt die Geschichte ab der Mitte nochmal so richtig Fahrt auf. Es geschehen Dinge und unvorhersehbare Wendungen, die mir richtig gut gefallen haben. Die Autorin hat es geschafft, Spannungsbögen aufzubauen und diese perfekt umzusetzen. Eine ganz unkitschige und berührende Geschichte. Ein Wohlfühlroman, dessen Geschichte ins Herz geht. Eine Liebeserklärung an Prag und das Leben selbst. 


  • Taschenbuch: 448 Seiten
  • Verlag: Diana Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (9. Oktober 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453359100
  • ISBN-13: 978-3453359109
  • Originaltitel: A Year and a Day
  • Preis: 9,99€ (D) - 10,30€ (A) 
http://www.buecher-stierle.at/product/3000000186619/Buecher_Romane/Isabelle-Broom/Wintersterne
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