Montag, 14. Mai 2018

Rezension: Olga von Bernhard Schlink

© Diogenes Verlag
Inhaltsangabe:
Ein Dorf in Pommern am Ende des 19. Jahrhunderts. Olga ist Waise, Herbert der Sohn des Gutsherrn. Sie verlieben sich und bleiben gegen den Widerstand seiner Eltern ein Paar, das immer wieder zueinander findet, auch als Olga Lehrerin wird und er zu Abenteuern nach Afrika, Amerika und Russland reist. Vom Kampf gegen die Herero zurückgekehrt, voller Träume von kolonialer Macht und Größe, will er für Deutschland die Arktis erobern. Seine Expedition scheitert, und die Bemühungen zu seiner Rettung enden, als der Erste Weltkrieg ausbricht. Olga sieht ihn nicht wieder und bleibt ihm doch auf ihre eigene Weise verbunden.
Erzählt wird die Geschichte einer starken, klugen Frau, die miterleben muss, wie nicht nur ihr Geliebter, sondern ein ganzes Volk den Bezug zur Realität verliert. Es wird die Frage ihres Lebens: Warum denken die Deutschen zu groß? Wieder und wieder?

Meine persönliche Meinung:
Ein neues Bernhard Schlink Buch? Natürlich ein muss im Hause Beauty Books. Ich liebe Schlink's Bücher. Mit "Der Vorleser" hat er damals mein Leserherz erobert. Von "Olga" habe ich vorab schon so viel gutes gehört und nun habe auch ich endlich die Zeit gefunden, um Olga kennenzulernen. Ich habe sie nicht nur kennengelernt, ich habe sie lieben gelernt und habe auch ein wenig Herzschmerz verspürt, als ich sie wieder gehen lassen musste.

Olgas Eltern sterben sehr früh und sie wächst bei ihrer Großmutter auf. In ihrem näherem Umfeld und in ihrer Schule gehört Olga als Kind zu den Außenseitern. Als sie erwachsen wird, stößt sie bei ihrer Arbeitswahl und auch bei ihren sozialen Kontakten stets an ihre Grenzen. Olga schafft es dennoch, eine Ausbildung als Lehrerin abzuschließen. Ihren Job und die Kinder liebt sie sehr. Olga ist eine wunderbare Frau. Sie ist taff, selbstständig und steht mit beiden Beinen im Leben. Olga kann für sich selbst sorgen und ist auf keine Hilfe angewiesen. Genau dies ist ihr stets wichtig.

Wieso sie tatsächlich einen Mann wie Herbert liebt, der eigentlich komplett das Gegenteil von Olga ist? Das habe ich mich stets während dem Lesen gefragt. Während Olga mein Herz eroberte, wurde ich des öfteren fuchsteufelswild mit Herbert. Es machte mich traurig, da ich nicht das Gefühl hatte, dass Herbert Olga so liebte wie sie ihn. Herbert hat andere Ziele in seinem Leben, während Olga stets versucht, bei Herbert zu sein um seine Nähe zu spüren und ihm all die Liebe schenken zu können, die sie für ihn verspürt.

Herbert ist ruhelos, ein Abenteurer und Forschungsreisender und zieht auch schon bald als Kämpfer nach Eintritt ins Garderegiment in die Ferne. Er reist nach Deutsch-Südwestafrika in den Kolonialkrieg. Olga hält davon natürlich nur wenig und ist dem sehr skeptisch gegenüber. Herbert lässt dies jedoch kalt und geht trotzdem seine Wege.

Mehr möchte ich auch gar nicht vom Inhalt verhalten. Olga und Herbert sehen sich nur sehr wenig, bis irgendwann gar nicht mehr. Olga entwickelt sich und in ihrem Leben geschehen Dinge, die sie Herbert wohl nie mehr sagen kann. Oder doch? Sie schreibt ihm Briefe, bekommt aber nie eine Antwort.

Ich war von Anfang an sehr angetan von Olgas Leben und habe das Buch mit großer Neugier gelesen. Ich habe sie sehr gerne auf ihrem Weg begleitet, dennoch gab es für mich des öfteren ein paar Stellen im Buch, die sich etwas in die Länge gezogen haben. Geschichtliche Hintergründe, bei denen meine Gedanken abschweiften. Bernhard Schlink hat jedoch eine unglaublich tolle Gabe, Geschichten zu erzählen. Immer wieder schafft er es, mich in Welten zu entführen und mich damit auch nicht mehr los zulassen. Mit viel Herz lese ich seine Bücher und freue mich jedes mal aufs neue, wenn ein neuer Schlink erscheint. Olga ist etwas besonderes und ich denke, dass diese Geschichte kein Leserherz unberührt lässt. Ein sehr lesenswertes Buch, dass ohne große Überraschungen auskommt. "Olga" regt zum Nachdenken an, berührt - mit allen Höhen und Tiefen.
Schlink's Bücher sind perfekt für eine kleine und wunderbar literarische Auszeit.




  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: 2 (12. Januar 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257070152
  • ISBN-13: 978-3257070156
  • Preis: 24€ (D) - 24,70€ (A)

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