Samstag, 25. August 2018

Rezension: Sommernachtsreigen von Anna Herzig

© Voland & Quist Verlag
Ein gebrochenes Herz, das muss man aussitzen. Schmecken tut das nicht, aber es geht vorbei. Meistens. - Seite 74

Inhaltsangabe:
Hannerl fliegt nach Istanbul, um dort die Geschichte einer schicksalshaften Begegnung niederzuschreiben. Es ist die Geschichte von Pawel, dem Bertl und der Hannerl. Die Geschichte die in einer Nacht an der Haltestelle am Wiener Brunnenmarkt, mit Jägermeister im Flachmann, beginnt. Eine Nacht voller langen Gespräche und vielen verpassten Bussen. Zwei Männer, die am Ende weit mehr teilen, als wir uns anfangs auszumalen wagten. 

Meine persönliche Meinung:
Ich habe das Buch vor meinem drei wöchigen Urlaub unbedingt  noch zu Ende lesen müssen, da gleich an meinem ersten Arbeitstag nach dem Urlaub Anna Herzig bei uns in der Buchhandlung die Lesung zu Sommernachtsreigen abgehalten hat. Eine Lesung, auf die ich mich schon sehr gefreut habe. Ich hatte absolut keine Erwartungen an das Buch und wusste auch nicht, was mich erwarten würde, somit ließ ich mich ganz einfach überraschen.

Manche bezaubern durch Oberflächlichkeiten wie dem Aussehen, andere müssen lernen, mit inneren Werten zu jonglieren. - Seite 87

In die Geschichte kommt man ganz schnell rein. Ja, man wird regelrecht in die Geschichte hineingestoßen und befindet sich sofort mittendrin. Der Schreibstil ist anfangs gewöhnungsbedürftig, da das ganze Buch fast ausschließlich nur in Dialogen geschrieben ist. Schräge Dialoge, die mich immer wieder schmunzeln ließen. Die Autorin schafft es auf einhundertsechzig Seiten jede Menge zu sagen und auszudrücken, wie es manch anderer auf dreihundert Seiten nicht schaffen würde. Während dem lesen habe ich mich gefühlt, als würde ich selbst an der Bushaltestelle am Wiener Brunnenmarkt stehen, und dem Gespräch zwischen Pawel und Bertl heimlich zuzuhören. Hin und wieder war ich etwas verwirrt, da man nicht wusste, welche Person welchen Satz denn nun gesagt hat. Verwechslungsmomente, die absolut gewollt sind, denn alle Handlungen und das Gesagte der Protagonisten sind stets universell. 

Liest man dieses Buch, ist man Wien und deren Menschen sehr nahe. Redewendungen und Ausdrucksweisen, die man in Wien immer wieder zu hören bekommt, ob freiwillig oder unfreiwillig, bekommt man in diesem Buch immer wieder zu lesen. Manchmal hatte ich das Gefühl, als hab ich es hier mit einem sehr "schmutzigen" Buch zu tun. Hannerl, die als Frau regelrecht auf ihr Geschlecht reduziert wird, als wäre sie ein Objekt, über das man verfügt. In diesem Buch wird definitiv nichts beschönigt. Die beiden Männer sprechen wortwörtlich und direkt genau das aus, was sie sich im betrunkenen Zustand eben denken.

Ich möchte gar nicht zu viel vom Inhalt dieses Buches verraten. Man sollte sich einfach auf diese Geschichte einlassen und sie zu lesen beginnen. Diese Geschichte wird den Leser überraschen, wenn man, wie ich, nicht weiß, worauf man sich hier einlässt. Ein Buch, dass uns über eine Dreiecksbeziehung berichtet, die so anders ist, als alle anderen.

Nur Anna Herzig kann ein so direktes und schmutziges Buch schreiben. Als ich sie in der Buchhandlung kennenlernen durfte, merkte ich sofort, dass auch sie direkt und offen für alles und jedes Thema ist. Eine sehr sympathische und ulkige Person, mit der man wirklich über alles reden kann, auch wenn man sie gerade erst kennengelernt hat. Während dem reden hat man das Gefühl, als wäre man schon ewig befreundet. Und wie man so schön sagt: eine richtige Wienerin.

Wer offen für alles und auch sprachlich vor nichts zurückschreckt, sollte dieses Buch definitiv lesen. Es ist anders und ehrlich. Es geht um das Schicksal, die Liebe und das Leben. Um Schwächen und Stärken, die Menschen haben. Um Fehler, die Menschen tagtäglich machen.


  • Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
  • Verlag: Verlag Voland & Quist (9. März 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3863912020
  • ISBN-13: 978-3863912024
  • Preis: 18€ (D) - 18,50€ (A) 
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- draufklicken und in der Buchhandlung bestellen, in der ich arbeite :)

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